Wie die Zunge in den Kürbis kam

Untertitel: How To Make A Rolling Stones Pumpkin

 

Wie die Zunge in den Kürbis kam – Die Geschichte der Entstehung

2006 bin ich zum ersten Mal nach Wehlen gefahren. Unterwegs sah ich am Straßenrand einen Stand mit Kürbissen. Da erinnerte ich mich daran, dass ich im Internet ein Bild von einer Stones-Zunge in einem Kürbis gesehen habe. Keine 5 Minuten später lag der größte Kürbis von dem Verkaufsstand in meinem Auto. Die kommenden 500 km hatte ich viel Zeit mir zu überlegen, wie die Zunge in den Kürbis kommt.

In Wehlen traf ich dann den STONES FOREVER, der mir mit einem roten Filzstift die Konturen auf den Kürbis malte. Ich musste nur noch alles Überflüssige wegschneiden. Das klingt einfach, ist aber doch komplizierter als man es sich vorstellt. Da ich mit dem Schnitzen erst kurz vor dem Auftritt von „Rewind“ begonnen habe, verpasste ich die ersten 8-10 Songs. Probiert es mal aus dann wisst ihr dass es schwieriger ist als es aussieht!

Auch 2007 kam ich wieder auf meiner Fahrt nach Wehlen an dem Kürbisstand vorbei. Schon im Vorfeld wurde im Forum immer wieder nach einem neuen Kürbis gerufen, enttäuschen wollte ich auch niemanden, so lud ich mir noch einmal den größten Kürbis ins Auto. Das Schnitzen war auch 2007 mühsam und zeitaufwendig, es ist aber dann doch eine schöne Zunge geworden. Doch bereits an diesem Abend habe ich mir fest vorgenommen, keinen Kürbis mit einer Stones-Zunge mehr zu schnitzen!

2008 kündigte ich dann im Forum an, für Wehlen keinen neuen Kürbis mehr in eine Stones-Zunge zu verwandeln. Aber wie viele von Euch wissen, kam es doch ganz anders. Fahnenklau hat mir einen Kürbis mitgebracht und mich so auf dezente Art und Weise darauf hingewiesen, wieder ein kleines Kunstwerk abzuliefern. Dieser Kürbis war für eine große Zunge zu klein, so wurde aus diesem Kürbis „nur“ ein AC/DC Kürbis. Mr. Jimmy und ich fuhren dann in einen nahe gelegenen Supermarkt um dort einen würdigen Rohling für den endgültig letzten Stones-Kürbis zu kaufen. Das ganze Wochenende wurde überlegt, wie dieser Kürbis für die Ewigkeit konserviert werden kann. Aber leider fiel uns keine passende Lösung ein. Die einzige Idee die mir in den Sinn kam, war das Material zu wechseln. Ich erzählte Mr. Jimmy dann von meinem Plan, bat ihn aber noch nichts zu verraten.

2009 meldete ich mich dann Ende Februar bei der Volkshochschule in Augsburg für einen Töpferkurs an, nicht ohne mich vorher bei der Kursleiterin per Mail zu erkundigen, ob mein Vorhaben in die Tat umgesetzt werden kann. Am Samstag den 21. März ging es dann in der Früh um 09:00 Uhr mit dem Kurs los.

Wie sollte es anders sein, in dem Kurs war ich der einzige Mann. Zuerst sollten sich alle vorstellen und erzählen, warum sie diesen Kurs belegt haben. Na was sollte ich erzählen, ich gehörte weder in das Lager der Alternativen, noch in das Lager der allein erziehenden Mutter mit Tochter, noch zu den künstlerisch begabten Menschen. Ich bin einfach ein Stones-Fan, der einen großen Kürbis mit einer Stones-Zunge darin töpfern wollte, bei meiner Vorstellung erntete ich nur ungläubige Blicke.

Die Kursleiterin sagte dann, dass bei den Kursgebühren 3 kg Ton dabei sind und dass jeder den nicht verbrauchten Rest mit nach Hause nehmen darf. Da habe ich ungläubig geschaut, mein Kürbis sollte doch etwas größer werden. Für den Anfang habe ich mich mit dem 3 kg Klumpen zufrieden gegeben, doch am Ende wurden von mir insgesamt 9 Kilo Tonmasse verarbeitet, er sollte ja nach was ausschauen und kein Winzling werden.

So und nun die „Bauanleitung“

Die Bodenplatte war schnell mit einer umgedrehten Plastikschüssel „ausgestochen“. Dann begann der Aufbau der ersten Halbkugelschale mit der „Würstchentechnik“. Dazu rollte ich viele fingerdicke Stränge, die dann reihum aufgebaut die untere Halbkugelschale ergeben sollten. Der obere Teil wurde genauso aufgebaut und dann verkehrt herum auf die untere Hälfte aufgesetzt. Nach ca. 5 Stunden wurde die Nahtstelle gut verstrichen und ich konnte meinen fußballähnlichen Tonball gut zugedeckt (damit der Ton nicht zu schnell austrocknet) ins Regal stellen.

Zuhause habe ich mir dann ca. 8 verschiedengroße Stones-Zungen ausgedruckt. Mit diesen Schablonen ermittelte ich dann die optimale Größe der Zunge für den Kürbis.

Am nächsten Tag prägte ich dann mit einem Kantholz die Struktur in den weichen Tonball. Danach wurde die passende und ausgeschnittene Zungen-Schablone aufgelegt. Mit einem Modellierholz (Schnitzwerkzeug speziell für Ton) zog ich dann alle Konturen nach. Nun schnitt ich alles mit dem Messer aus und weg, was nicht nach Zunge aussah. Zu guter Letzt schnitt ich oben den „Deckel“ ab, denn schließlich soll der Kürbis mit einem Teelicht von innen beleuchtet werden. Aus einem Klumpen Ton, der vom Ausschneiden übrig blieb, wurde der Strunk (Stiel) auf den Deckel aufgesetzt. Alle Schnittkanten bearbeitete ich danach mit Wasser und dem Modellierholz sehr sorgfältig, damit keine scharfen Kanten zurückblieben. Nach ca. 4 Stunden war mein Tageswerk vollbracht.

Die VHS hatte ca. 150 verschiedene Glasuren im Schrank, aber keine der vorhandenen Farben konnte mich so richtig überzeugen. Die eine war zu gelb, die andere zu rot, und wieder eine andere zu orange. Eine Glasur gefiel mir zwar gut, aber die hatte viele kleine schwarze Punkte drin. Die Kursleiterin meinte, die könnte man alle einzeln rauspicken. Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben, ich wollte es perfekt haben. Der Glasurtermin war erst 3 Wochen später, so hatte ich noch etwas Zeit mir zu überlegen, mit welcher Farbe ich mich anfreunden konnte.

Alle getöpferten Gegenstände wurden von der Kursleiterin in den folgenden Tagen zum ersten Mal gebrannt. Wer schlecht gearbeitet hat und die Lufteinschlüsse im Ton nicht sorgfältig herausgedrückte, würde nach dem Öffnen des Ofens eine böse Überraschung erleben, denn Lufteinschlüsse können dazu führen, dass das Objekt Risse hat oder sogar zerbricht.

Um die perfekte Farbe zu finden, fuhr ich dann extra in das größte Bastelgeschäft der Stadt. Dort hatten sie ca. 200 verschieden Glasuren und von den meisten auch Probestücke, damit man sieht, wie die Farbe nach dem Brennen aussieht. Ich kaufte dann 2 Farben, von denen es kein Probestück gab, aber die im Katalog meiner Wunschfarbe sehr nahe kamen. Nach Rücksprache mit der Kursleiterin durfte ich bei einem anderen Kurs zwei Probestücke anfertigen, die dann kurz vor meinem Glasurtermin fertig aus dem Ofen kamen. An dem Abend, wo ich die Probestücke fertigte, sah ich dann auch zum ersten Mal meinen gebrannten Kürbis. Er hatte keinen einzigen Riss.

Am Glasurtag bemalte ich zuerst die weißen Stellen mit einem sehr feinen Pinsel. Während der Trocknungsphase wurde der Strunk bemalt. Dann war es endlich so weit, den Kürbis mit der Glasur zu bepinseln. Vom Probestück wusste ich, dass ich alle Stellen mindestens zweimal bestreichen muss. Dummerweise kann man nicht genau erkennen, wie dick man die Farbe schon aufgetragen hat. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, sieht der Kürbis nicht orange aus. Nach ca. 3 Stunden war der Kürbis außen und innen mit Glasurfarbe bepinselt. Am schwierigsten waren dabei die kleinen Stellen in der Zunge.

Der Termin für das zweite Brennen (Glasurbrand) war kurz vor dem 1. Mai. Eigentlich kein besonderes Datum aber genau ab diesem Tag hatte ich 5 Wochen Urlaub. Für mich war also klar, dass ich den Kürbis frühestens in der zweiten Juniwoche wieder sehen würde. Mitte Juni bekam ich dann eine Mail von der Kursleiterin, in der sie mir mitteilte, dass es meinem Kürbis gut geht und dass ich ihn in 2 Tagen abholen kann. Oh man war ich aufgeregt.

Und so sieht der fertige Kürbis aus:

 

Weil oft nach dem Preis gefragt wurde: Ohne die Arbeitszeit zu rechnen, habe ich für diesen Kürbis ca. 100 Euro ausgegeben.

Wehlen 2009

Im Vorfeld habe ich im Forum angekündigt, dass ich mit absoluter Sicherheit keinen neuen Kürbis mehr „schnitzen“ werde. Ich wusste ja was ich für eine Überraschung im Gepäck habe.

Meinen Kürbis habe ich in den Nebenraum gestellt, erstens damit er im Dunklen steht und zweitens, dass ihn niemand versehentlich beschädigt.
Klar wurde er viel fotografiert, dazu knieten sich die Fotografen vor ihn hin, das sah dann so aus, als würden sie ihn anbeten. Von diesem Anblick sind lustige Fotos entstanden.

Hier ein paar Reaktionen auf meinen Kürbis, einige davon sind auch im Stonesforum nachzulesen:

Meisterstück
Zauberei
schlaflose Nächte
will ich haben

IceBaer hat uns alle mit seinem neusten "Kürbis" überrascht - er hat aber diesmal einen Kürbis aus KERA(MICK) mitgebracht …

Man IceBaer, da hast Du ja ein absolutes Sammlerstück hergestellt.
Hervorragende Arbeit!

… er sah täuschend echt aus …Von nahem konnten wir dann unseren Augen nicht trauen …

Der IceBaer übertrifft alle Erwartungen.

 

Text und Bilder: IceBaer - 2. November 2009